Die Akzeptanz digitaler Trendthemen wächst

Der deutsche Mittelstand hat im vergangenen Jahr bei seiner digitalen Transformation Fortschritte gemacht. Doch gilt dies auch für Trendthemen wie Big Data und künstliche Intelligenz?

Das nahm der „Digitalisierungsindex Mittelstand“ in diesem Jahr erstmals genauer unter die Lupe.

Der Mittelstand: aufgeschlossen gegenüber KI und Robotik

KI: Zwei Buchstaben elektrisieren derzeit Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht als ferne Utopie, sondern als reales Arbeitswerkzeug. Denn nicht mehr nur die Techbranche sieht in künstlicher Intelligenz die nächste große Entwicklungsstufe der Informationstechnologie. Der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“ zeigt: Viele Mittelständler diskutieren das Thema bereits intensiv und informieren sich über die Chancen, die zum Beispiel Machine-Learning-Systeme für das eigene Geschäft bieten. 71 Prozent der befragten Unternehmen sehen das Potenzial von KI für ihre Branche. Mehr noch: Durchschnittlich sieben Prozent der Unternehmen setzen KI-Systeme bereits ein, 19 Prozent verfolgen konkrete Pläne.

Abhängig von den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede: Am stärksten verbreitet sind KI-Systeme bei den Versorgern und in der Informations- und Kommunikationsbranche (17 Prozent), auch Banken und Versicherungen (zwölf Prozent) zählen zu den Vorreitern. Die Einsatzgebiete variieren stark: Vielerorts assistieren bereits Chatbots im Kundenservice. In der Produktion sortiert lernende Bildverarbeitung Ausschussware aus und in zahlreichen Fabriken warten künstliche Intelligenz Maschinen schon vorausschauend. Genau wie bei anderen Digitalisierungsthemen haben die Digital Leader auch in Sachen KI erneut die Nase vorn: Knapp 20 Prozent der digitalen Vorreiter setzen KI-Anwendungen bereits ein; 32 Prozent wollen diesem Beispiel bald folgen.

Besonders aufgeschlossen zeigen sich die Unternehmen gegenüber Robotik-Systemen. Sechs von zehn Unternehmen können sich vorstellen, sie selbst zu nutzen. Bei den Digital Leadern wäre dazu jedes achte Unternehmen bereit. Ihr Einsatz hängt von der jeweiligen Branche ab: So kann sich der Handel vorstellen, sich von Robotik-Systemen bei Inventuren unterstützen zu lassen, das Hotelgewerbe denkt über Roboter als Unterstützung am Empfang nach, im Gesundheitswesen könnten die Systeme den Mitarbeitern bei der Probenbehandlung unter die Arme greifen.

Datenveredelung: Mit Business Analytics zu neuen Geschäftsmodellen

In Daten stecken Informationen, aus denen immer mehr Unternehmen wichtige Erkenntnisse für ihr künftiges Geschäft ziehen. Vielen Mittelständlern ist klar, dass sie mit einer systematischen Datenauswertung ihre Prozesse effektiver gestalten, Produkte schneller entwickeln und ihre Kunden besser verstehen können.

Fast ein Drittel (31 Prozent) der Befragten wertet mit Business-Analytics- oder Business-Intelligence-Tools die eigenen Unternehmensdaten systematisch aus, um damit produktiver zu arbeiten. Für 41 Prozent besitzt das Thema eine hohe Relevanz, bei Unternehmen ab 50 Mitarbeitern sogar für 53 Prozent. Das zahlt sich aus:

85 Prozent

der Unternehmen haben dank Datenauswertung ihre Umsätze erhöht.

84 Prozent

steigern damit die Kundenzufriedenheit und gewinnen leichter Kunden.

Data Analytics bildet die Grundlage für zahlreiche Anwendungen wie zum Beispiel Echtzeitanalysen, die bei 28 Prozent der Mittelständler schon Alltag sind. 33 Prozent wollen bald folgen. Vor allem die Industrie arbeitet mit Predictive Maintenance produktiver: 26 Prozent der Befragten sagen, dass sie die vorausschauende Wartung bereits fortgeschritten umgesetzt haben, 30 Prozent sind noch auf dem Weg.

Mit einer systematischen Datenauswertung wächst zugleich das Verständnis für die eigenen Kunden. Auch hier sind die Unternehmen am Ball. Sie integrieren externe Informationen in ihr Kundendatenmanagementsystem (CRM). Das können zum Beispiel Geodaten sein oder Informationen aus den sozialen Netzwerken. Von einer fortgeschrittenen Umsetzung berichten 23 Prozent; auf dem Weg dahin befinden sich 33 Prozent. Auf der Basis verfügbarer Daten haben 35 Prozent der Unternehmen ihre Beratung und ihren Verkauf individualisiert. Bald folgen wollen 33 Prozent. 44 Prozent der Befragten geben an, dass dieses Thema für sie sehr relevant sei.

80 Prozent

der Unternehmen, die Predictive Maintenance nutzen, können damit ihre Ausfallzeiten reduzieren.

Bei 78 Prozent

wirkt sich die vorausschauende Wartung positiv auf die Umsätze aus.

Der Lohn der Digitalisierung: mehr Umsatz, mehr Kunden

Mit dem digitalen Reifegrad eines Unternehmens wächst der wirtschaftliche Erfolg: Die digitalen Vorreiter der jeweiligen Branchen sind mit ihren Unternehmenskennzahlen viel zufriedener als der Rest der Unternehmen. Gute Nachricht: Selbst digitale Einzelmaßnahmen lohnen sich: 73 Prozent der Cloudnutzer konnten ihre Kosten reduzieren. 75 Prozent erzielen bessere Umsätze, weil sie ihre Produktionsanlagen oder Fahrzeuge vernetzen und zentral steuern und überwachen. Das spricht sich herum: Um die Transformation zu beschleunigen, investieren bereits 43 Prozent der Mittelständler in die digitale Kompetenz ihrer Mitarbeiter und bieten Weiterbildungen an. 38 Prozent der Mittelständler beziehen bereits eine Digitale Dividende. Sprich: Der Nutzen der Digitalisierung übersteigt die Kosten, die die Betriebe für den Wandel aufwenden mussten. Wer schon heute von einer Digitalen Dividende profitiert, zählt zu jenen Firmen, die früh und strategisch gezielt in den Wandel investiert haben.